Augenmigräne: Wenn man seinen Augen nicht mehr trauen kann

Augenmigräne verursacht Sehstörungen bei junger Frau

Grelle Lichtblitze und Gesichtsfeldausfälle bis hin zur vorübergehenden Blindheit auf einem Auge – Migräne gehört nicht zu den Erkrankungen, die man als erstes mit derartigen Symptomen in Verbindung bringt. Doch tatsächlich kann sich eine besondere Art von Migräne durch zum Teil massive visuelle Störungen äußern.




Vor allem das erstmalige Auftreten der sogenannten Augenmigräne kann für Betroffene sehr angsteinflößend sein. Doch so besorgniserregend die Symptome auch sind, dauerhafte Schäden treten im Zusammenhang mit der Augenmigräne glücklicherweise in der Regel nicht auf.

Übersicht

Augenmigräne erkennen

Der Begriff Augenmigräne (ophthalmische Migräne) beschreibt eine Form von Migräne, die sich vor allem durch Sehstörungen bemerkbar macht, die sowohl einseitig auftreten können als auch auf beiden Augen.

Migräne ist vor allem als Kopfschmerzerkrankung bekannt. Doch im Falle der ophthalmischen Migräne müssen die visuellen Einschränkungen nicht zwingend mit Kopfschmerzen einhergehen. Typische Sehstörungen, die im Rahmen einer Augenmigräne auftreten können, sind:

  • Skotom (Gesichtsfeldausfall)
  • Flimmerskotom (Lichtblitze)
  • Sehverlust auf einem Auge

Grundsätzlich gilt für die Augenmigräne, dass die Sehstörungen meist etwa zehn bis 30 Minuten anhalten, in seltenen Fällen bis zu 60 Minuten. Anschließend bilden sie sich in der Regel von alleine zurück. Die Untersuchung von Patienten mit ophthalmischer Migräne beim Augenarzt sowie beim Neurologen ist während der beschwerdefreien Phase immer unauffällig.

Ist Augenmigräne und Migräne mit Aura das Gleiche?

Die Abgrenzung zwischen der Migräne mit Aura und der ophthalmischen Migräne ist nicht ganz eindeutig. In einigen Literaturquellen werden beide Phänomene gleichgesetzt. Der Grund dafür ist, dass sich auch die klassische Migräne mit Aura durch visuelle Symptome wie Lichtblitze und blinde Flecken äußern kann. Allerdings steht bei der klassischen Migräne der Kopfschmerz im Vordergrund. Bei der Augenmigräne hingegen sind es die Sehstörungen, die besonders stark ausgeprägt sind, während die Kopfschmerzen, sofern sie überhaupt auftreten, eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Skotome sind typisch für die ophthalmische Migräne

Der Begriff Skotom leitet sich von dem griechischen Wort „skotos“ ab und bedeutet so viel wie Dunkelheit. Als Synonym wird dafür auch die Bezeichnung Gesichtsfeldausfall verwendet. Dahinter steckt ein Phänomen, bei dem das Sehvermögen in einem Teilbereich des Sichtfeldes nachlässt oder ganz ausfällt. Je nachdem, um welche Form der ophthalmischen Migräne es sich handelt, können die Skotome einseitig oder auf beiden Augen auftreten.

Charakteristisch für diese Form der Sehstörung ist eine gezackte oder sternförmige Umrandung des Bereichs, in dem die Sehminderung auftritt. Im Zusammenhang mit der Augenmigräne tritt häufig eine besondere Form des Skotoms auf, das sogenannte Flimmerskotom. Dieses ist durch die Wahrnehmung von flackernden Lichtern oder Lichtblitzen gekennzeichnet.

Sonderfall retinale Migräne

Bei der retinalen Migräne handelt es sich um eine seltene Sonderform der Augenmigräne. Sie tritt bei etwa einem von 200 Migränepatienten aufi. Folgende Merkmale sind charakteristisch für die retinale Migräne:

  • Skotom oder eine vorübergehende Blindheit auf einem Auge
  • Sehstörungen treten immer auf einem Auge auf (monokulär)
  • Sehstörungen meist von Kopfschmerzen begleitet oder gefolgt (spätestens 60 Minuten nach den visuellen Symptomen)

Die Ursache für die retinale Migräne ist eine plötzliche, krampfartige Verengung von Arterien im Bereich der Retina (Netzhaut) oder des Nervus opticus (Sehnerv) und somit eine Minderdurchblutung in dieser Region. Mit anderen Worten wird der Teil des Auges oder des Gehirns, der für das Sehen verantwortlich ist, nicht genügend mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Das Resultat sind die typischen Sehstörungen. Deren Ausprägung ist dabei umso stärker, je gravierender die Reduktion des Blutflusses ist.

Die visuellen Einschränkungen, die bei der retinalen Migräne auftreten, bilden sich in der Regel nach wenigen Stunden vollständig zurück. Ein bleibender Verlust des Sehvermögens auf einem Auge aufgrund der retinalen Migräne wurde zwar schon beobachtet, ist jedoch äußerst ungewöhnlich und selten.

Die ophthalmoplegische Migräne – ein seltenes Phänomen

Häufig fällt im Zusammenhang mit der Augenmigräne auch der Begriff ophthalmoplegische Migräne. Diese zeichnet sich neben langanhaltenden Kopfschmerzen vor allem durch einseitige Augenmuskellähmungen aus. Sie ist extrem selten und trifft nur etwa einen von tausend Migränepatienten, wobei sie vor allem bei Kindern unter zehn Jahren beobachtet wirdii.

Ob es sich bei dieser Störung überhaupt um echte Migräne handelt, ist heute allerdings sehr umstritten. Neue Erkenntnisse deuten eher darauf hin, dass die ophthalmoplegische Migräne eine Art kraniale Neuralgie darstellt. Das bedeutet, dass die einseitigen, pulsierenden, migräneähnlichen Kopfschmerzen nicht für sich alleine auftreten, sondern als Symptom einer anderen Erkrankung. Dementsprechend schlagen die typischen Medikamente gegen Migräne hier nicht an.

Auch die Ursache für diese Störung ist noch unklar. Zu den möglichen Auslösern zählen Entzündungsprozesse sowie einseitige Schwellungen im Gehirn. Dauerhafte Lähmungserscheinungen können bei gehäuften Attacken der ophthalmoplegischen Migräne auftreten, jedoch nur in seltenen Ausnahmefällen.

Trigger für Augenmigräne

Ähnlich wie anderen Formen der Migräne kann auch die Augenmigräne durch sogenannte „Trigger“ gefördert werden. Typische Auslöser für die ophthalmische Migräne sind unter anderem:

  • Stress
  • Schlafmangel
  • verstärkter Konsum von Alkohol und Nikotin
  • blendend helles Licht

Die meisten Migränepatienten lernen mit der Zeit ihre eigenen Triggerfaktoren kennen und können die Häufigkeit der Attacken reduzieren, indem sie die Auslöser meiden. Für diejenigen, die ihre Trigger noch nicht kennen, ist ein Migränetagebuch empfehlenswert. Das kann helfen herauszufinden, in welchen Situationen die jeweiligen Symptome auftreten.

Wann zum Arzt bei ophthalmischer Migräne?

Beim ersten Auftreten von visuellen Wahrnehmungsstörungen im Zusammenhang mit einer Migräneattacke sollten Sie sich unbedingt von einem Arzt untersuchen lassen, um andere Ursachen auszuschließen. Auch wenn die Symptome besonders heftig sind oder länger anhalten als üblich, ist ein Arztbesuch ratsam.

Die Augenmigräne selbst ist glücklicherweise nur in extrem seltenen Ausnahmefällen mit dauerhaften Schäden verbunden und erfordert keine besondere Behandlung. Jedoch können plötzlich auftretende Sehstörungen auch ein Warnzeichen für schwerwiegende Erkrankungen sein. Demnach können visuelle Störungen beispielsweise auch im Zusammenhang mit einem Schlaganfall, einer Embolie (Blutgefäßverschluss) oder einer Netzhautablösung auftreten.

Kann man Augenmigräne therapieren?

Eine Therapie, die sich speziell gegen die Augenmigräne richtet, gibt es leider nicht. Die Art der Behandlung entspricht der für andere Formen von Migräne und beinhaltet vor allem die Anwendung von Triptanen und klassischen Schmerzmitteln.

Die visuellen Symptome vergehen typischerweise nach zehn bis 30 Minuten. Der beste Weg mit einem Anfall von Augenmigräne umzugehen, besteht deshalb oft darin, sich in einen ruhigen, dunklen Raum zurückzuziehen und abzuwarten.

In einigen Fällen können Entspannungstechniken wie autogenes Training vorbeugend wirken und die Häufigkeit der Anfälle verringern.

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i Glaser, Joel S.: Neuro-ophthalmology. Philadelphia 1999, S. 567.

ii Göbel, Hartmut: Migräne. Diagnostik – Therapie – Prävention, Berlin, Heidelberg 2012, S.67.