Basilarismigräne: Was ist das?

Frau mit  Basilarismigräne leidet an Tinnitus

Es gibt zahlreiche Formen von Migräne, die sich jeweils durch charakteristische Symptome voneinander unterscheiden. Einige dieser Formen sind so selten und ungewöhnlich, dass sie selbst von Ärzten nicht sofort als Migräne erkannt werden. Eine solche Sonderform ist die sogenannte Basilarismigräne. Sie hebt sich vor allem durch besonders ausgeprägte und vielfältige Aurasymptome von anderen Formen dieser neurologischen Erkrankung ab.

Typische Kennzeichen der Basilarismigräne

Als Aura bezeichnet man eine spezielle Art von Symptomen, die bei Migränepatienten häufig vor den eigentlichen Kopfschmerzen in Erscheinung treten. Am häufigsten handelt es sich dabei um visuelle Wahrnehmungsstörungen oder Gefühlsstörungen. Kennzeichnend für die Basilarismigräne ist das stets beidseitige Auftreten folgender Aurasymptome:

  • beidseitige Gesichtsfeldausfälle
  • Dysarthrie (Sprechstörungen)
  • vestibulärer (den Gleichgewichtssinn betreffender) Schwindel
  • Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Hörminderung
  • Doppelsehen
  • Ataxie (gestörte Bewegungskoordination)
  • Par- oder Hypästhesien (beidseitige Missempfindungen in den Händen)
  • beidseitige Paresen (Lähmungserscheinungen), besonders an den Beinen
  • Bewusstseins- und Wahrnehmungsstörungen

Hierbei ist anzumerken, dass kaum ein Betroffener tatsächlich die gesamte Bandbreite der aufgeführten Symptome zeigt. Um die Diagnose Basilarismigräne stellen zu können, müssen jedoch laut der International Headache Society (IHS) mindestens zwei dieser Kennzeichen gleichzeitig vorhanden sein.

Am häufigsten kommt es zu Hörstörungen und Schwindel. Die Dauer der Attacken kann dabei stark variieren. In einigen Fällen halten die Symptome nur wenige Sekunden an, während sie sich in anderen Fällen über mehreren Stunden erstrecken. In jedem Fall bilden sich die Aurasymptome selbstständig wieder zurück.

Gut zu wissen:

Kopfschmerzen kommen nur in etwa der Hälfte aller Fälle von Basilarismigräne vor. Wenn sie auftreten, sind die Schmerzen allerdings meist sehr stark. Typischerweise sind die Kopfschmerzen dann auf beiden Seiten des Hinterkopfes zu spüren. Sie können entweder zeitgleich mit den Aurasymptomen erscheinen oder erst im Nachhinein auftreten.

Wie entsteht die Basilarismigräne?

Während einem Anfall von Basilarismigräne kommt es zu einer kurzzeitigen Verkrampfung der Basilarisarterie (A. basilaris). Die Arteria basilaris ist für die Blutzufuhr im hinteren Teil des Gehirns zuständig. Zu ihrem Versorgungsgebiet gehören:

  • der Hirnstamm: Er ist besonders wichtig für lebenserhaltende Funktionen wie die Atmung und den Herzschlag, aber auch für die Wahrnehmung von beispielsweise optischen oder akustischen Umweltreizen und somit das Sehen, das Hören sowie den Tastsinn.
  • das Hinterhirn (Kleinhirn und Pons): Dieser Bereich des Gehirns steuert den Gleichgewichtssinn, die Muskeln und die Bewegungskoordination.

Aufgrund der Verkrampfung der A. basilaris während der Migräneattacke ist die Durchblutung in diesen Teilen des Gehirns vermindert. Dadurch kommt es zu Funktionsstörungen, die sich in Form der für die Basilarismigräne typischen Aurasymptome äußern.

Symptome der Basilarismigräne sind immer beidseitig – was ist die Erklärung?

Die Mehrheit der Hirngefäße ist in zweifacher Ausführung vorhanden, sodass jedes der beiden Gefäße für die Versorgung einer Hirnhälfte zuständig ist. Die A. basilaris hingegen ist einzeln angelegt und regelt die Durchblutung auf beiden Seiten ihres Versorgungsgebiets. Dadurch erklärt sich die Tatsache, dass die Symptome der Basilarismigräne immer beidseitig auftreten.

Wie kann der Arzt die Basilarismigräne erkennen?

Bei besonders stark ausgeprägten Symptomen kann eine Attacke der Basilarismigräne im ersten Moment leicht mit einem Schlaganfall verwechselt werden. Untersuchungen des Gehirns, beispielsweise mittels bildgebender Verfahren wie der MR-Tomographie oder Doppler-Sonographie, ergeben bei Patienten mit Basilarismigräne allerdings einen Normalbefund.

Zusätzlich kann der Arzt überprüfen, ob der Patient eine sogenannte Okulomotorik-Störung (gestörte Augenbewegung) aufweist. Die Untersuchung erfolgt durch einen einfachen Test: Dazu bittet der Arzt den Patienten, einem Gegenstand mit den Augen zu folgen, ohne dabei den Kopf zu bewegen. Im Normalfall ist die Augenbewegung dabei ruhig und fließend. Bewegen sich die Augen hingegen ruckartig und mit Unterbrechungen, ist das ein Zeichen für eine Störung der Okulomotorik. Eine solche Störung kann bei Patienten mit Basilarismigräne auch in beschwerdefreien Zeiten häufig beobachtet werden.

Neben diesem Test sowie dem Ausschluss anderer möglicher Erkrankungen ist die Befragung des Patienten zu den Beschwerden die wichtigste Möglichkeit für den Arzt, die Basilarismigräne als solche zu erkennen.

Wer leidet am häufigsten an Basilarismigräne?

Besonders oft wird die Migräne vom Basilaristyp bei jungen Erwachsenen diagnostiziert, wobei der Häufigkeitsgipfel zwischen dem 30. und 50. Lebensjahri liegt.

Das Bickerstaff-Syndrom

In extrem seltenen Fällen können Patienten, die an Basilarismigräne leiden, ein sogenanntes Locked-In-Syndrom entwickeln, auch bekannt unter dem Namen Bickerstaff-Syndrom. Dabei durchlebt der Betroffene bei vollem Bewusstsein einen Zustand der Bewegungslosigkeit und Unfähigkeit, mit seiner Umwelt zu kommunizieren. Er fühlt sich in seinem Körper eingesperrt (locked-in).

Patienten, die so etwas erlitten haben, berichten davon, dass ein Anfall des Bickerstaff-Syndroms zunächst einer typischen Migräneattacke ähnelt. Bevor ihr Körper plötzlich aufhört ihnen zu gehorchen, verspüren sie Kopfschmerzen, Übelkeit, sind lichtempfindlich und zeigen verschiedene Anzeichen der Aura. Sämtliche Symptome werden im Zusammenhang mit dem Bickerstaff-Syndrom typischerweise beidseitig wahrgenommen.

Eine gute Nachricht ist, dass das Locked-In-Syndrom in der Regel nicht länger als 30 Minutenii anhält und das Sprachvermögen, ebenso wie die Bewegungsfähigkeit, nach wenigen Stunden vollständig zurückkehren.

Die Behandlung von Basilarismigräne

Grundsätzlich richten sich die therapeutischen sowie die vorbeugenden Maßnahmen gegen Basilarismigräne nach den allgemeinen Empfehlungen zur Behandlung von Migräne. Jedoch gibt es eine große Ausnahme: Von der Anwendung von Arzneimitteln aus der Gruppe der Triptane wird bei Migräne vom Basilaristyp stark abgeraten.

Der Grund ist, dass Triptane im Verdacht stehen, eine Verengung von Gehirnarterien (Vasokonstriktion) zu bewirken. Da die Basilarismigräne selbst durch die Verkrampfung einer Arterie hervorgerufen wird, besteht die Befürchtung, dass eine zusätzliche Gefäßverengung die Wahrscheinlichkeit für einen Schlaganfall erhöhen könnte.

Diese Annahme konnte bisher nicht bewiesen werden. Eine neue Studie widerlegte sogar den Zusammenhang zwischen der Einnahme von Triptanen und einer verstärkten Vasokonstriktion bei Patienten mit basilarer Migräneiii. Da man diese Gefahr aber dennoch nicht mit Sicherheit ausschließen kann, verschreiben Ärzte vorsichtshalber keine Triptane bei Basilarismigräne.

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i Stoll, W. / Most, E. / Tegenthoff, M.: Schwindel und Gleichgewichtsstörungen. Stuttgart 2004, S. 172.

ii Reichelt, A.: Komplementärmedizin – Kompendium. Berlin 2012, S. 385

iii Mathew, PG / Krel, R / Buddhdev, B / Ansari, H / Joshi, SG / Spinner, WD / Klein, BC.: Journal Club Schmerzmedizin. Stuttgart 2016, S. 146