Migräne ohne Aura (gewöhnliche Migräne)

Die meisten Migräne-Patienten leiden an gewöhnlicher Migräne ohne Aura. Gewöhnlich bedeutet dabei aber nicht harmlos: Auch diese Art von Schmerz ist mit erheblichen Belastungen für die Betroffenen verbunden und kann den Alltag stark beeinträchtigen. Doch obwohl Migräne ohne Aura sehr häufig auftritt, fehlt in weiten Teilen der Bevölkerung noch immer ein genaues Verständnis der Erkrankung.

Was ist Migräne ohne Aura?

Frau mit einseitigen Kopfschmerzen aufgrund einer gewöhnlichen Migräne ohne Aura

7,6 Millionen Deutsche leiden hin und wieder unter Migräneattackeni. Die meisten von ihnen, etwa 80 bis 85 Prozent, haben Migräne ohne Aura. Der Unterschied zur ‎Migräne mit Aura ist, dass keine Auraphase vor den eigentlichen Kopfschmerzen stattfindet – es fehlen also neurologische Störungen, die die Schmerzattacken ankündigen.

Obwohl die Krankheit weit verbreitet ist, fehlt häufig das Verständnis für die Patienten – auch weil Menschen, die keine Migräne haben, die Erkrankung oft als gewöhnliche Kopfschmerzen abtun. Dabei sind die beiden Schmerzarten keineswegs miteinander vergleichbar. Migräneanfälle unterscheiden sich von normalen Kopfschmerzen durch eine genau definierte Charakteristik des Schmerzes.

Migräne ohne Aura: Symptome und Kriterien zur Diagnose

Mediziner sprechen dann von Migräne, wenn mindestens zwei der folgenden vier Kriterien erfüllt sind:

  • die Kopfschmerzen treten einseitig auf (wobei ein Seitenwechsel möglich ist),
  • die Intensität der Kopfschmerzen wird als mittel beziehungsweise stark beschrieben,
  • die Schmerzen sind pulsierend und/oder pochend und
  • die Schmerzen verstärken sich bei körperlicher Aktivität.

Des Weiteren kommen bei Migräneanfällen meist noch begleitende Symptome wie Übelkeit oder Erbrechen hinzu. Zudem sind Migränepatienten während der Kopfschmerzphase oft sehr licht-, geräusch- und geruchsempfindlich.

Auch wenn bei Migräne ohne Aura keine Phase mit neurologischen Symptomen wie Sehstörungen vorangeht, bemerken Betroffene meist schon einige Tage bis Stunden vorher, dass sich ein Anfall ankündigt. Vorboten sind beispielsweise ein Gefühl innerer Unruhe oder extreme Stimmungsschwankungen. Die Dauer der Symptome unterscheidet sich oftmals stark: Sie können 4 bis 72 Stunden anhalten.

Wussten Sie schon?

Wird Ihr Alltag oder Ihre Arbeitsleistung durch die Migräne massiv eingeschränkt, können Sie einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Besprechen Sie einen solchen Antrag mit Ihrem Arzt, der dafür ein Gutachten ausstellen kann. Der Antrag wird an das zuständige Versorgungsamt gerichtet.

Je nach Schwere und Häufigkeit der Migräneanfälle sind drei Grade von Schwerbehinderung möglich:

  • Grad 0-10: leichte Verlaufsform (Anfälle durchschnittlich einmal monatlich)
  • Grad 20-40: mittelgradige Verlaufsform (häufigere Anfälle, jeweils einen oder mehrere Tage anhaltend)
  • Grad 50-60: schwere Verlaufsform (lang andauernde Anfälle mit stark ausgeprägten Begleiterscheinungen)

Welche Faktoren lösen Migräneanfälle aus?

Die genaue Ursache von Migräne verstehen Mediziner noch immer nicht komplett. Mediziner vermuten jedoch, dass bestimmte Nervenimpulse dafür sorgen, dass sich die Blutgefäße im Gehirn entzünden und weiten. Der Schmerz verstärkt sich, wenn mehr Blut durch die gereizten Gefäße strömt, zum Beispiel beim Bücken oder bei Bewegung.

Einig ist sich die Wissenschaft jedoch, dass sogenannte Triggerfaktoren Migräneanfälle auslösen können. Die Liste möglicher Auslöser von Migräne ist lang. Auch unterscheiden sich die Auslöser von Patient zu Patient. Zu den häufigsten Triggerfaktoren zählen jedoch:

  • starke körperliche Anstrengungen und psychischer Stress
  • hormonelle Einflüsse (zum Beispiel der Menstruationszyklus bei der Frau)
  • Reizüberflutungen (wie grelles Licht oder laute Geräusche)
  • unregelmäßiger Tagesablauf (zum Beispiel starke Schwankungen im Schlaf-Wach-Rhythmus)

Falsche Ernährungsgewohnheiten können ebenfalls für Migräne mit oder ohne Aura verantwortlich sein. Beispielsweise enthalten einige Nahrungsmittel Stoffe wie Nitrat, Glutamat oder Tyramin, die Migräne auslösen können. Tyramin ist unter anderem in vielen Käsesorten, Rotwein oder Schokolade enthalten. Zu den weiteren möglichen Triggerfaktoren zählen auch Nikotin und Koffein.

Gewöhnliche Migräne (Migräne ohne Aura): Behandlung

Es gibt bisher zwar keine Universaltherapie gegen Migräne. Dennoch sollten starke Kopfschmerzen dringend von einem Arzt untersucht werden. Er kann feststellen, um welche Form von Migräne es sich handelt und sowohl Medikamente für einen akuten Migräneanfall verschreiben als auch vorbeugende Maßnahmen empfehlen.

Akuthilfe bei Migräne ohne Aura mit Medikamenten

Es gibt einige Medikamente, die zur Linderung der Migränesymptome eingenommen werden können. Bei leichteren Kopfschmerzen sind unter Umständen Schmerztabletten eine gute Wahl. Zu den gängigen Arzneistoffen bei Behandlung von Schmerzen zählen Ibuprofen, Paracetamol, Diclofenac, Naproxen und Acetylsalicylsäure (ASS). Schmerztabletten sind jedoch nicht für einen dauerhaften Gebrauch geeignet, weil Kopfschmerzen auch eine Nebenwirkung von übermäßiger Schmerzmittel-Einnahme sein können.

Starke Kopfschmerzen sollten hingegen mit Triptanen behandelt werden. Der Arzneistoff, der speziell für akute Migräneschmerzen gedacht ist, greift in den Stoffwechsel des Botenstoffes Serotonin ein, verengt die geweiteten Blutgefäße und lindert dadurch die Schmerzen im Kopf. Außerdem bekämpfen Triptane gleichzeitig Begleitsymptome wie Übelkeit. Doch auch hier gilt: Triptane sollten Sie nicht übermäßig und nur in Absprache mit dem Arzt verwenden. Denn obwohl sie das Leben vieler Migräne-Patienten erleichtern und in der Regel gut verträglich sind, haben diese Medikamente einen Haken – eine zu häufige Einnahme (an mehr als zehn Tagen im Monat) kann zu Dauerkopfschmerzen führen.

Selbsthilfe bei Migräne ohne Aura

Darüber hinaus kann man selbst einiges tun, um Migräne vorzubeugen. Es ist wichtig, die individuellen Triggerfaktoren zu kennen, um Migräneanfälle so gut wie möglich zu meiden. Ein Migränekalender kann helfen, die Auslöser zu identifizieren.

Bei akuten Migräneattacken empfinden Betroffene oft helles Licht als sehr unangenehm. Während der akuten Kopfschmerzphase ist es deshalb oft empfehlenswert, sich in einen abgedunkelten Raum zurückzuziehen und sich Ruhe zu gönnen. Einige Tropfen Pfefferminzöl auf die Schläfen zu reiben, kann die Kopfschmerzen lindern.

Allgemein sollten Migränepatienten ohne Aura Stress im Alltag weitgehend zu meiden. Eine gesunde Lebensweise mit festen Essenszeiten und einem routinierten Schlafrhythmus sowie ausreichend sportliche Aktivitäten können das Risiko von Migräneattacken senken.

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