Starke Kopfschmerzen – oder ist es doch Migräne?

Sie zermürben und bringen Betroffene mitunter an den Rand der Verzweiflung – starke Kopfschmerzen. Noch bis 1988 konnte jeder Arzt Kopfschmerzen nach Belieben definieren. Das änderte sich mit der Veröffentlichung des Katalogs der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft, in dem zahlreiche Diagnosekriterien für die mittlerweile insgesamt mehr als 240 Kopfschmerzarten aufgeführt sind1. Erfahren Sie, welche typischen Unterschiede es zwischen Kopfschmerzen und Migräne gibt und wie sich beides behandeln lässt.

Migräne und Kopfschmerzen – am Schmerz unterscheiden

Migränepatienten stufen den Schmerz als pochend-pulsierend ein und versuchen ihn Anderen mit Beschreibungen wie „Presslufthammer hinter der Schläfe“ begreiflich zu machen. Im Gegensatz dazu werden Spannungskopfschmerzen häufig mit dem Gefühl eines in einen Schraubstock eingespannten Kopfes oder eines zu engen Hutes auf dem Kopf verglichen. Die Schmerzen sind eher dumpf, drückend oder ziehend. Während bei Migräne der Schmerz streng einseitig ist, können Kopfschmerzen beidseitig auftreten und im gesamten Kopfbereich vorkommen, zum Beispiel in der Stirn, an den Schläfen oder dem Hinterkopf.

Was sind die Ursachen der Kopfschmerzen?

Um zu typisieren, welche Art von Kopfschmerzen einen plagt, ist es gut zu beobachten, in welchen Situationen die Schmerzen auftreten, denn: Die Ursachen unterscheiden sich bei Kopfschmerzen und Migräne. Ständige Kopfschmerzen können zum Beispiel von

  • hartnäckigen Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich,
  • aber auch durch Zähneknirschen oder
  • emotionale Anspannung und Stress ausgelöst werden.

Auch bei der Migräne gibt es auslösende Faktoren, sogenannte Trigger, zum Beispiel

  • Veränderungen des Tagesrhythmus und
  • hormonelle Schwankungen.

Trigger sind bei der Migräne nicht die Ursache selbst, sondern der akute Auslöser des Anfalls. Die Forschungen darüber, wie Migräne entsteht und was sie verursacht, sind noch nicht abgeschlossen. Es werden dabei verschiedene Einflussfaktoren diskutiert. Experten gehen zum Beispiel davon aus, dass es für die zugrundeliegende neurobiologisch bedingte Funktionsstörung des Gehirns auch eine erbliche Veranlagung gibt. Während des Migräneanfalls kommt es zu einer Störung im Botenstoff-Haushalt des Gehirns, die eine Fehlfunktion der schmerzregulierenden Systeme zur Folge hat. Als Konsequenz reagieren Migränepatienten überempfindlich auf einströmende Reize.

Ständig Kopfschmerzen – lässt sich aus der Schmerzdauer die Schmerzart ableiten?

Während ein Migräneanfall meist nach maximal 72 Stunden vorbei ist, können Kopfschmerzen vom Spannungstyp – im unbehandelten Zustand – zwischen 30 Minuten und mehreren Tagen andauern. Die Schmerzdauer ist also ein Unterscheidungsmerkmal von Migräne zu anderen Kopfschmerzarten.

Schmerzen im Alltag – die Unterschiede

Viele Migränepatienten müssen wegen der starken Kopfschmerzen ihren normalen Tagesablauf unterbrechen, da die Schmerzen meist schlimmer werden, wenn sie sich bewegen, zum Beispiel beim Laufen oder Treppensteigen.

Häufig wird der Schmerz von Symptomen begleitet wie

  • Appetitlosigkeit,
  • Übelkeit und Erbrechen,
  • Licht- und Lärmscheu und einer
  • Überempfindlichkeit gegenüber Gerüchen,

wobei nicht alle Begleitsymptome vorhanden sein müssen. Beim Kopfschmerz vom Spannungstyp hingegen können die Betroffenen ihren Tagesablauf fortführen. In der Regel nehmen die Beschwerden auch bei körperlicher Aktivität nicht zu. Sie können sogar gelindert werden, wenn man sich bewegt und an der frischen Luft neue Kraft schöpft. Auch wenn die Begleitsymptome nicht so ausgeprägt sind wie bei der Migräne, beeinträchtigen starke Kopfschmerzen die Lebensgestaltung der Betroffenen trotzdem enorm.

Chronische Kopfschmerzen – wenn sich der Schmerz verselbstständigt

Akute Schmerzen üben eine essenzielle Warnfunktion aus. Sie sagen unserem Körper: „Achtung, hier ist etwas nicht in Ordnung.“ Der akute Schmerz tritt zum Beispiel bei Reizungen, Wunden, Zahnschmerzen, Knochenbrüchen oder Entzündungen auf – es gibt also einen konkreten Auslöser für den Schmerz. Sobald die genau zu bestimmende Ursache behandelt ist, klingen die Schmerzen auch wieder ab. Bleibt der Schmerz jedoch dauerhaft bestehen – zum Beispiel ausgelöst durch eine körperliche Erkrankung, die den Schmerz immer weiter aufrechterhält –, kann er seine Warnfunktion verlieren und der Schmerz wird chronisch. Mediziner sprechen von chronischen Kopfschmerzen, wenn diese seit mindestens sechs Monaten an mehr als 15 Tagen pro Monat auftreten. Migräne gilt als chronisch, wenn sie an mehr als 15 Tagen im Monat und über mehr als drei Monate hinweg vorkommt.

Was hilft gegen Kopfschmerzen?

Wer nicht gleich mit Medikamenten gegen die Kopfschmerzen vorgehen will, kann erst einmal aktiv gegen die Ursachen wie Schlaf- und Bewegungsmangel und muskuläre Anspannung vorgehen: Achten Sie darauf, dass Sie genügend trinken und arbeiten Sie an Ihrer Körper – beziehungsweise Ihrer Sitzhaltung, vor allem, wenn Sie einem Bürojob nachgehen, bei dem Sie überwiegend sitzen. Eine kurze Auszeit und Durchatmen an der frischen Luft kann gegen Kopfschmerzen helfen. Auch Hausmittel wie Pfefferminzöl können die Kopfschmerz-Beschwerden lindern: hierfür das Öl auf Stirn und Schläfen auftragen. Gelegentlicher Kopfschmerz kann mit Schmerzmitteln behandelt werden, die beispielsweise die Wirkstoffe

  • Acetylsalicylsäure,
  • Ibuprofen oder
  • Paracetamol enthalten.
Frau bei der Einnahme von Kopfschmerztabletten mit einem Glas Wasser

Bei chronischen Kopfschmerzen ist es wichtig, Akutschmerzmittel nur an maximal zehn Tagen im Monat einzunehmen. Sonst ist die Gefahr groß, dass durch Schmerzmitteleinnahme bedingter Kopfschmerz entsteht, Mediziner sprechen vom sogenannten medikamenteninduzierten Kopfschmerz. Auch Migräne kann medikamentös und nicht-medikamentös behandelt werden.

Notsignale: Wann Sie mit Kopfschmerzen zum Arzt sollten

Aber auch die Selbstbehandlung hat ihre Grenzen. Die amerikanische Kopfschmerzgesellschaft hat unter dem Kürzel SNOOP ernst zu nehmende Anzeichen gebündelt.

Bitte gehen Sie in folgenden Fällen umgehend zum Arzt:

  • Systemic symptoms (systemische Symptome): Kopfschmerzen mit Begleiterscheinungen wie zum Beispiel Fieber
  • Neurologic symptoms (neurologische Symptome): Zusätzliches Auftreten von Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen, Verwirrtheit oder dergleichen
  • Onset (ohne Vorwarnung): starke Kopfschmerzen setzen ganz plötzlich ein, erreichen innerhalb kürzester Zeit ihr Schmerzmaximum
  • Older Age of Onset (höheres Alter beim Beginn): erstmaliges Auftreten heftiger Kopfschmerzen im Alter ab 40 Jahren
  • Prior headache history (verändertes Kopfschmerzmuster): aktuelle Schmerzen weichen in ihrem Schmerzmuster gravierend von in der Vergangenheit erlebten Kopfschmerzen ab (Intensität, Häufigkeit, neue Symptome)

Alle diese Warnzeichen können auf ernsthafte Erkrankungen hindeuten, wie zum Beispiel auf einen plötzlichen Blutdruckanstieg, eine Hirnhautentzündung oder einen Schlaganfall. Lassen Sie sich daher gründlich von Ihrem behandelnden Arzt durchchecken, um der Ursache der Kopfschmerzen so schnell wie möglich auf den Grund zu gehen und diese zu behandeln.

Das interessierte andere Leser:

Migräne – was zahlt die Krankenkasse? >>

Tipps, um Kopfschmerzen vorzubeugen >>

Checkliste: Auslöser von Migräne >>


1Deutsche Schmerzgesellschaft e.V.: Abgerufen unter: http://www.dgss.org/, (Stand: 24.08.2017)