Migräne und Serotonin: Der Einfluss des Glückshormons auf unser Gehirn

Der Serotoninspiegel beeinflusst die Migräne einer Frau
Bei Serotonin handelt es sich um einen Neurotransmitter, der vor allem im Blut, aber unter anderem auch im Darm-, Herz-Kreislauf- und Zentralnervensystem vorkommt. Das bedeutet, es wirkt sowohl auf den Körper als auch auf das Gehirn ein. Der Serotoninspiegel beim Menschen kann deshalb in beiden Bereichen zu negativen Folgen führen – sollte er zu hoch oder zu niedrig sein. Die Höhe des Serotoninspiegels spielt auch bei Migräne eine Rolle. Finden Sie hier mehr über den Zusammenhang zwischen Serotonin und Migräne heraus.

Kurzer Exkurs: Die Aufgaben von Serotonin im Körper

Herz-Kreislauf

Die komplexen Aufgaben des Serotonins im Herz-Kreislauf-System beziehen sich vor allem auf das Zusammenziehen und das Entspannen der Blutgefäße – besser gesagt, deren glatter Muskulatur. So ist der Serotoninspiegel vor allem wichtig für eine Verengung der Blutgefäße in den Nieren und der Lunge.

Blutgefäßerweiternd, also entspannend, wirkt Serotonin in der Skelettmuskulatur.

Magen und Darm

Im Magen-Darm-Trakt hingegen hat das Serotonin sowohl motorische als auch sensorische Funktionen: Serotonin aktiviert mittels verschiedener Serotoninrezeptoren die Neuronen des Darmnervensystems. Dabei kommt es bei der Darmmuskulatur zu einer abwechselnden Anspannung und Entspannung. So wird hier eine abwärts gerichtete, genau abgestimmte Welle erzeugt – das Serotonin ist also mit verantwortlich für die Bewegung des Darms und seines Inhaltes.1

Die sensorische Funktion besteht darin, dass der Serotoninspiegel im Magen-Darm-Trakt mittels Signalerweiterung zu Erbrechen und Übelkeit führen kann.

Blut

Der Serotoninspiegel im Blut hat zudem Auswirkungen auf die Blutgerinnung. Die Blutplättchen, die das Serotonin speichern und freisetzen, tragen auch selbst Serotoninrezeptoren. Durch sie wird die Granula (knochenförmige Einlagerungen in den Zellen) der Thrombozyten entleert. Außerdem kommt es zu einer Verstärkung anderer Botenstoffe, was die Blutgerinnung fördert.

In kleineren Blutgefäßen trägt das Serotonin zu einem reduzierten Blutstrom während der Wundheilung bei.

AugenSerotonin hat weiterhin auch Einfluss auf unser Auge. Über eine Aktivierung verschiedener Rezeptoren können Nerven, die Serotonin als Neurotransmitter nutzen, den Augeninnendruck regulieren. Dieser ist vor allem dafür zuständig, zwischen Hornhaut, Linse und Netzhaut des Auges einen gleichmäßigen Abstand zu bewirken. Ein zu hoher Serotoninspiegel kann den Augeninnendruck erhöhen – eine Folge davon ist die Entstehung eines grünen Stars.

Serotonin und Migräne: Welcher Zusammenhang besteht?

Das Serotonin beeinflusst fast alle Gehirnfunktionen – mittelbar und unmittelbar. Am bekanntesten ist wohl die Wirkung des Serotonins auf die Stimmung und unseren Appetit:

  • Ein optimaler Serotoninspiegel sorgt für Zufriedenheit und innere Ruhe.
  • Ein erhöhter Serotoninspiegel verursacht oft Übelkeit und Erbrechen,
  • während ein niedriger Serotoninspiegel Heißhungerattacken auslösen kann.

Ein typischer Migräneverlauf sieht bei vielen Betroffenen ähnlich aus wie die soeben beschriebenen Auswirkungen des Serotoninspiegels: So startet eine Migräne im Regelfall mit Heißhunger auf energiereiche Nahrungsmittel (niedriger Serotoninspiegel) und endet in Übelkeit und Erbrechen (hoher Serotoninspiegel) durch starke Migräneschmerzen. Besteht also ein Zusammenhang zwischen Serotonin und Migräne?

Wie der Serotoninspiegel womöglich die Entstehung von Migräne beeinflusst

Eine eindeutige Antwort auf die Frage nach dem Zusammenhang vom Neurotransmitter Serotonin und Migräne gibt es nicht: Die genauen Ursachen und Mechanismen, die hinter einer Migräne stecken, sind auch heute noch nicht vollständig durch die Wissenschaft geklärt. Ein Ansatz jedoch befasst sich mit den Schwankungen des Serotoninspiegels als Ursache für Migräne.

Bei Migräne-Patienten produzieren die Nervenzellen durch sogenannte Triggerfaktoren (Auslöser), die individuell verschieden sind, eine Überdosis von Botenstoffen, unter anderem auch von Serotonin. Die Folge eines erhöhten Serotoninspiegels ist, dass sich die Adern im Gehirn verengen und Entzündungsprozesse gehemmt werden. Der Organismus versucht als Reaktion darauf, diese Überdosis an Serotonin abzubauen, bis nur noch eine sehr geringe Menge vorhanden ist. Der daraus folgende Serotoninmangel bewirkt, dass sich die Hirnhautgefäße wieder weiten und so durchlässig für gewebefeindliche Stoffe werden, wie zum Beispiel entzündliche Eiweißstoffe. An den Gefäßen im Gehirn entstehen dann kleine Entzündungen, die den für Migräne typischen, pochenden Schmerz verursachen.

Serotoninspiegel schwankt stärker bei Frauen: Migräne vor der Periode

Viele Frauen, die an Migräne leiden, klagen vermehrt kurz vor ihrer Periode über Beschwerden. Hier spielen die Östrogene (weibliche Geschlechtshormone) eine entscheidende Rolle. Denn die Konzentration von Serotonin im Blut schwankt mit dem weiblichen Zyklus, da die Östrogene den Serotoninspiegel beeinflussen können: In der ersten Zyklushälfte ist der Östrogenspiegel einer Frau höher als in der zweiten. Mit dem Absenken des Östrogens, verändert sich auch der Serotoninspiegel – diese Schwankungen des Serotonins können bei Menschen mit Migräne aller Wahrscheinlichkeit nach Attacken auslösen.

Was für Auswirkungen kann ein veränderter Serotoninspiegel noch haben?

Serotonin steht nicht nur im Zusammenhang mit Migräne. Ein Serotoninmangel, der bei Migräne für die Entzündungen der Gehirngefäße verantwortlich ist, kann auch weitere schwerwiegende Symptome hervorrufen. Eines der bekanntesten Anzeichen bei niedrigem Serotoninspiegel sind depressive Verstimmungen.

Damit gehen oft auch

  • Unzufriedenheiten,
  • starke Reizbarkeit und
  • Ängstlichkeit einher.

Serotonin spielt zudem eine große Rolle bei der Produktion von Melatonin, einem Schlafhormon. So kann es bei einem zu niedrigen Serotoninspiegel durchaus zu Schlafstörungen kommen. Darüber hinaus gilt Serotonin allgemein als appetitzügelnd: Zu wenig Serotonin kann für deutlich mehr Appetit sorgen.

Ist der Serotoninspiegel zu hoch, wird von einem Serotoninsyndrom gesprochen. Dieses ist meist die Folge von Medikamenten, beispielsweise Antidepressiva, die oftmals das Serotonin im Körper erhöhen.

Bemerkbar macht sich ein hoher Serotoninspiegel zum Beispiel durch folgende Anzeichen:

  • Pulsanstieg
  • Schnellatmigkeit
  • Pupillenerweiterung
  • Durchfall
  • Übelkeit

Auch Symptome einer zentralnervösen Erregung wie Unruhe, Halluzinationen oder Störungen des Bewusstseins können Anzeichen für das Serotoninsyndrom sein. Gesteigerte Reflexe, Krämpfe und andere neuromuskuläre Symptome sind ebenfalls mögliche Hinweise auf das Serotoninsyndrom.

Wenn es zu einem Serotoninsyndrom kommt, muss umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Eine unverzügliche Behandlung ist hier nötig, da es bei einem schweren Verlauf tödlich enden kann.

Wie kann der Serotoninspiegel beeinflusst werden?

Den Serotoninspiegel allein über die Ernährung zu verändern, ist schwierig, denn: Das Serotonin, welches durch den Verzehr von serotoninhaltigen Lebensmitteln wie Bananen oder Schokolade aufgenommen wird, kann das Gehirn aufgrund der sogenannten Blut-Hirn-Schranke nicht erreichen.

Um den Serotoninhaushalt zu steigern oder senken, muss der Körper also selbst den Botenstoff Serotonin herstellen. Das geht nur mithilfe von Medikamenten oder durch die gezielte Zufuhr von Nährstoffen, die die Serotoninherstellung anregen oder bremsen. Was Ihnen am besten hilft, sollten Sie mit Ihrem Arzt absprechen.

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1Göbel, Hartmut: Migräne. Diagnostik – Therapie – Prävention. Berlin, Heidelberg: Springer 2012. S.101.