Die Ursachen der hormonellen Migräne


Nach derzeitigem Kenntnisstand ist die Hauptursache für hormonell bedingte Migräne ein drastisch fallender Östrogenspiegel. Die absolute Hormonkonzentration – also wie hoch oder niedrig der gemessene Wert ist – scheint dabei keine Rolle zu spielen, solange dieser Wert konstant bleibt. Wichtig ist lediglich die Änderung des Hormonspiegels.

Im Leben einer Frau passiert eine solche Änderung jeden Monat im Rahmen des Menstruationszyklus. Kurz vor der Periode sinkt das Östrogenlevel ab, was bei vielen Frauen mit Kopfschmerzen verbunden ist.

Es gibt auch andere Lebensphasen, in denen sich der weibliche Hormonhaushalt positiv oder negativ auf eine bestehende Migräne auswirken kann. Dazu gehören zum Beispiel Schwangerschaft sowie die Wechseljahre.

Die biologischen Zusammenhänge zwischen dem Östrogenspiegel und dem Verlauf von Migräne, beginnen Ärzte und Forscher erst allmählich zu verstehen. Eine mögliche Erklärung basiert darauf, dass Östrogen die Verarbeitung von Schmerzreizen im Gehirn beeinflussen kann.

Warum hormonelle Migräne nur einige Frauen betrifft, während andere gegenüber den Hormonschwankungen unempfindlich zu sein scheinen, ist noch unklar. Vermutlich spielen erbliche Faktoren eine große Rolle.

Hormonelle Migräne während der Menstruation


Hormonelle Migräne macht sich besonders häufig im zeitlichen Zusammenhang mit der Periode bemerkbar. Das kritische Zeitfenster dafür umfasst zwei Tage vor Beginn der Monatsblutung und etwa fünf Tage danach2.

Entsprechend der Klassifikation der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft wird zwischen zwei Subkategorien unterschieden:

  • rein menstruelle Migräne: Hierbei kommen die Kopfschmerzen ausschließlich während oder kurz vor der Periode vor.
  • menstruationsassoziierte Migräne: In diesem Fall treten die Kopfschmerzen zur Zeit der Periode gehäuft auf, aber auch in anderen Phasen des Monatszyklus.

Migräneattacken, die ausschließlich im zeitlichen Zusammenhang mit der Regelblutung stattfinden, sind eher selten. Demnach leidet nur etwa eine von 20 Migränepatientinnen an der rein menstruellen Migräne3.

Dass Migräneanfälle zwar nicht ausschließlich, aber besonders häufig mit dem Einsetzen der Regelblutung in Beziehung stehen, berichten hingegen sehr viele Frauen.

Grundsätzlich gilt, dass Migräne vom menstruellen Typ länger anhält, stärkere Schmerzen verursacht und häufiger von Erbrechen begleitet ist als die reguläre Migräne. Neurologische Ausfallerscheinungen wie Seh- oder Gefühlsstörungen (Aura) werden bei dieser Migräneform hingegen typischerweise nicht beobachtet.

Um mit Sicherheit festzustellen, ob bei Ihnen eine menstruelle Migräne vorliegt, empfiehlt es sich, die Attacken über mindestens drei Monate hinweg in einem Migränekalender zu dokumentieren.

Migräne durch hormonelle Verhütung: kann Migräne durch Pille & Co. verursacht werden?


Dass der Verlauf von Migräne hormonellen Einflüssen unterliegt, ist heute unumstritten. Es ist deshalb naheliegend zu hinterfragen, inwiefern hormonelle Kontrazeptiva (Empfängnisverhütung) zu einer Verschlimmerung der Kopfschmerzen führen können.

Die „klassische“ Pille ist ein sogenanntes Kombinationspräparat. Sie enthält je ein künstliches Östrogen sowie ein Gestagen (zweite wichtige Klasse weiblicher Geschlechtshormone).

Wissenschaftlichen Studien zufolge kann sich diese Art der Verhütung tatsächlich negativ auf die Migräneanfälligkeit auswirken. In manchen Fällen wurde nach der Verwendung von kombinierten Anti-Baby-Pillen sogar ein Neuauftreten der Erkrankung beobachtet.

Dennoch gibt es auch Betroffene, die nach der Einnahme der Pille eine Besserung der hormonellen Migräne beschreiben.

Fazit:

Nach dem heutigen Kenntnisstand lässt sich kein eindeutiges Urteil über den Einfluss der Pille auf den Verlauf der Erkrankung fällen. Betroffene Frauen sollten beobachten, wie sich hormonelle Verhütungsmittel auf ihre Migräne auswirken und sich gegebenenfalls über andere Arten von Empfängnisschutz beraten lassen.

Migränepatientinnen sollten sich auch aus einem anderen Grund intensiver mit dem Thema Anti-Baby-Pille auseinandersetzen. Migräne – vor allem Migräne mit Aura – ist mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle verbunden.

Diese Gefahr kann durch die Einnahme von östrogenhaltigen Präparaten weiter ansteigen. Das ist besonders dann von Bedeutung, wenn weitere Risikofaktoren, wie Rauchen oder starkes Übergewicht, vorliegen.

In einem solchen Fall ist es sinnvoll, mit Ihrem Frauenarzt Rücksprache zu halten und die Einnahme von Kombinationspräparaten zu überdenken. Für Migränepatientinnen kann eine gute Alternative zur östrogenhaltigen Pille ein reines Gestagen-Präparat sein.

Bei dieser Art der Pille ist weder mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko zu rechnen, noch wurde in dem Zusammenhang eine Verschlimmerung der Migräne beobachtet.

Migräne in der Schwangerschaft


Migränepatientinnen setzen sich oft schon bei der Erwägung einer Schwangerschaft mit zahllosen Fragen auseinander:

  • Welche Mittel dürfen bedenkenlos zur Behandlung einer Migräne während der Schwangerschaft eingesetzt werden?
  • Kann sich die Migräne durch die Schwangerschaft womöglich noch verschlimmern, vor allem, wenn es sich dabei um hormonelle Migräne handelt?

Die gute Nachricht zuerst: Eine Schwangerschaft wirkt sich in den allermeisten Fällen positiv auf die Migräne aus. Etwa 50 bis 80 Prozent aller Betroffenen sprechen von einer deutlichen Verminderung der Attacken in der Schwangerschaft. Bei einigen Frauen verschwinden die Kopfschmerzen sogar ganz1.

Der genaue Grund für den überwiegend positiven Effekt der Schwangerschaft auf die Migräneerkrankung ist noch nicht vollständig geklärt. Sehr wahrscheinlich spielt dabei die konstant erhöhte Östrogenkonzentration eine Rolle. Auch ein höherer Spiegel des Glückshormons Endorphin kann an der Verbesserung beteiligt sein.

Hinzu kommt, dass schwangere Frauen ihre Lebensgewohnheiten drastisch ändern: Sie verzichten auf Alkohol und Nikotin, versuchen Stress zu vermeiden und ernähren sich bewusster. Das kann starken Einfluss auf die Ausprägung der Migräne haben.

Achtung: Migräne in der Schwangerschaft kann ein Warnzeichen sein!

Falls bei Ihnen während der Schwangerschaft zum ersten Mal migräneartige Kopfschmerzen auftreten, sollten Sie einen Arzt konsultieren. Es könnte sich um eine mögliche Komplikation, die sogenannte Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie), handeln.

Für die Behandlung von Migräneanfällen während der Schwangerschaft gilt der Grundsatz, so weit wie möglich, auf Medikamente zu verzichten.

Vor allem Arzneimittel wie Betarezeptorblocker, die zur Prävention eingesetzt und täglich eingenommen werden, dürfen nicht länger verwendet werden.

Meiden Sie zur Vorbeugung Migräneauslöser, versuchen Sie es mit Entspannungstechniken und Massage. Sollte eine medikamentöse Behandlung dennoch unumgänglich sein, besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Mittel geeignet sind.

Hormonelle Migräne in den Wechseljahren


Eine weitere große hormonelle Umstellung im Leben einer Frau findet während der Wechseljahre statt. Nicht selten ist diese Umstellung auch mit Veränderungen des Migräneverlaufs verbunden.

Einer weit verbreiteten Ansicht zufolge nimmt die Häufigkeit und Intensität der Migräne mit Einsetzen der Menopause allmählich ab. Die Statistik besagt jedoch etwas anderes:

Während bei etwa der Hälfte der Patientinnen die Kopfschmerzen in den Wechseljahren tatsächlich zurückgehen, bleibt die Migräne bei der zweiten Hälfte der Betroffenen unverändert oder verschlimmert sich sogar1.

Für diese widersprüchlichen Erfahrungen gibt es eine mögliche Erklärung. Hormonelle Migräne wird durch ein schnelles Absinken des Östrogenlevels verursacht. Es ist bekannt, dass der Östrogenspiegel zu Beginn der Menopause (Perimenopause) stark fällt.

Entsprechend ist die Migränehäufigkeit während dieser Phase der Wechseljahre am größten. Sobald die Menopause abgeschlossen ist, stabilisiert sich der Östrogenspiegel und bleibt auf einem konstant niedrigen Niveau. Das Resultat ist dann oft eine Verbesserung der Migräne.

Die Behandlung hormoneller Migräne


Theoretisch besteht ein sinnvoller Ansatz zur Behandlung von hormonell bedingter Migräne darin, dem sinkenden Östrogenspiegel durch die äußere Gabe von Hormonen entgegenzuwirken. In der Praxis funktioniert das jedoch aktuell noch nicht. Alle bisherigen Versuche einer hormonbasierten Therapie von Migräne verliefen ohne den gewünschten Erfolg.

Ein Beispiel:

Ein östrogenhaltiges Gel, zum Auftragen auf die Haut, schien zunächst vielversprechende Ergebnisse zu erzielen, da es sowohl die Dauer als auch die Stärke der Kopfschmerzen verringerte. Jedoch führte das Absetzen des Medikaments zu einer Verschlimmerung der Migräne, wodurch der potentielle Nutzen des Gels wieder aufgehoben wurde4.

Aktuell unterscheidet sich die Behandlung von hormoneller Migräne nicht von der einer gewöhnlichen Migräne und beinhaltet beispielsweise den Einsatz von Schmerzmitteln, Triptanen und Betablockern.

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