Die vielfältigen Gesichter von Kopfschmerzen

Sie zermürben und bringen Betroffene mitunter an den Rand der Verzweiflung – starke Kopfschmerzen. Junge Menschen sind meist häufiger betroffen als alte und auch die Symptome äußern sich nicht immer auf die gleiche Weise. Der eine spürt eine Art Presslufthammer, der gegen seine Schädeldecke drückt, während andere das Gefühl haben, dass jemand ihnen von innen heraus in die Augen sticht. Erhalten Sie hier einen Überblick über das vielfältige Auftreten von Kopfschmerzen und darüber, was gegen sie hilft.

Was sind die Ursachen der Kopfschmerzen?

Auch wenn die Schmerzen meist innerhalb des Kopfes auftreten, ist nicht das Gehirn an sich schuld – denn dieses besitzt keine Schmerzrezeptoren und ist daher schmerzunempfindlich. Meistens haben Kopfschmerzen eine körperliche oder psychische Ursache, die sich dann auf das Gehirn auswirken.

Oft ist ein zu starker Druck auf die Hirnhäute und die in ihnen verlaufenden Nervenbahnen schuld an den Schmerzen. Er kann in Folge von Verspannungen an Nacken und Hals aufgrund von einer falschen Körperhaltung, Stress oder Schlafmangel auftreten. Weitere Ursachen für Kopfschmerzen können aber auch folgende sein:

  • Infektionen im Mundraum,
  • vereiterte Nasennebenhöhlen,
  • oder eine Entzündung der Ohren.

Bei diesen Beschwerden weiten sich die Schmerzen oft bis in den Kopf aus. Das liegt daran, dass die bestehende Entzündung einen Druck die Nervenbahnen ausüben kann, die bis ins Gehirn verlaufen. Genauso können Kopfschmerzen jedoch auch eine Begleiterscheinung vieler Krankheiten sein, wie von Herz-, Nieren-, Stoffwechsel- oder Schilddrüsenproblemen sowie von Bluthochdruck oder aufgrund von Bewegungs- und Flüssigkeitsmangel auftreten – die Ursachen für Kopfschmerzen sind also sehr vielfältig.

Kopfschmerzarten – ein facettenreiches Feld

Je nachdem, was die Ursache ist und welche Symptome auftreten, werden Kopfschmerzen in verschiedene Arten unterteilt. Während einige Betroffene über ein Ziehen hinter der Stirn oder über pochende Schläfen klagen, spüren andere ein unerträgliches Hämmern unter der Schädeldecke. Wichtig ist bei der Typisierung vor allem, zu beobachten, in welcher Intensität und Situation die Schmerzen auftreten: All das spielt heute bei der Bestimmung eine Rolle.

Noch bis 1988 konnte jeder Arzt Kopfschmerzen nach Belieben definieren. Das änderte sich mit der Veröffentlichung des Katalogs der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS), in dem zahlreiche Diagnosekriterien für die mittlerweile insgesamt mehr als 240 Kopfschmerzarten aufgeführt sind1.

Zu den drei bekanntesten Arten gehören folgende:

  • Spannungskopfschmerzen äußern sich meist durch drückend-ziehende, leichte bis mittelschwere Schmerzen im gesamten Kopfbereich. Oft fühlt es sich an, als würde man einen zu engen Hut tragen oder als wäre man in einem Schraubstock eingezwängt. Bei vielen Betroffenen tritt diese Art auch als chronischer Kopfschmerz auf.
  • Clusterkopfschmerzen sind auch unter den Bezeichnungen Bing-Horton-Neuralgie und Histaminkopfschmerz bekannt. Betroffene klagen über extrem starke Kopfschmerzen im Bereich der Schläfen und Augen, die meistens 10 bis 180 Minuten andauern. Sie treten attackenartig auf und können so stark sein, dass die Patienten in Ohnmacht fallen.
  • Migräne bezeichnet starke, plötzliche Kopfschmerzen, die regelmäßig auftreten. Typisch ist ein attackenartiger, pulsierender, halbseitiger Kopfschmerz. Oftmals wird Migräne von Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet.

Migräne oder starke Kopfschmerzen – wo liegt der Unterschied?

„Habe ich nur starke Kopfschmerzen oder leide ich bereits an Migräne?“ – den Unterschied dieser beiden Arten zu erkennen, ist für die meisten Betroffenen eine Herausforderung. Dabei lässt sich bereits an den Symptomen erahnen, welcher Typ wahrscheinlicher ist: Migränepatienten stufen den Schmerz als pochend-pulsierend auf einer Seite des Kopfes ein. Dagegen können starke Kopfschmerzen — beispielsweise im Rahmen von Spannungskopfschmerzen — beidseitig auftreten und machen sich als dumpfer, drückender und ziehender Schmerz bemerkbar.

Typisch für Migräne ist zudem, dass sich die starken Kopfschmerzen durch Ruhe und in einem abgedunkelten Raum oft zurückziehen, während sie sich durch körperliche Belastung verstärken. Auch auftretende visuelle Störungen wie unscharfes Sehen oder Lichtblitze sind ein Zeichen für Migräne. Man spricht dann von Migräne mit Aura. Im Unterschied zu Migräne treten andere Kopfschmerzarten ohne Aurasymptome auf – die Intensität der Schmerzen wird durch aktive Bewegung nicht gesteigert.

Einen weiteren Hinweis liefert die Dauer: Während ein Migräneanfall meist nach maximal 72 Stunden vorbei ist, können ständige Kopfschmerzen vom Spannungstyp im unbehandelten Zustand zwischen 30 Minuten und mehreren Tagen andauern.

Chronische Kopfschmerzen – wenn sich der Schmerz verselbstständigt

Eine weitere Differenzierung erfolgt zwischen akuten und chronischen Kopfschmerzen. Akute Schmerzen üben eine essenzielle Warnfunktion aus. Sie sagen unserem Körper: „Achtung, hier ist etwas nicht in Ordnung.“. Der akute Kopfschmerz tritt meistens aufgrund von Verspannungen oder in Begleitung von Krankheiten wie einer Grippe oder Erkältung auf. Wenn die Ursache bestimmt wurde und eine Behandlung erfolgt, klingen die Beschwerden auch wieder ab.

Bleiben Kopfschmerzen jedoch dauerhaft bestehen – zum Beispiel ausgelöst durch eine körperliche Erkrankung, die den Schmerz immer weiter aufrechterhält –, kann er seine Warnfunktion verlieren und chronisch werden. Mediziner sprechen von chronischen Kopfschmerzen, wenn diese seit mindestens sechs Monaten an mehr als 15 Tagen pro Monat auftreten. Migräne gilt als chronisch, wenn sie an mehr als 15 Tagen im Monat und über mehr als drei Monate hinweg vorkommt.

Was hilft gegen Kopfschmerzen?

Bei gelegentlichen Kopfschmerzen können Schmerzmittel helfen, die beispielsweise die Wirkstoffe

  • Acetylsalicylsäure,
  • Ibuprofen oder
  • Paracetamol enthalten.

Auch wenn der Schmerz nicht regelmäßig auftritt, sollten Betroffene dennoch den Ursachen auf den Grund gehen. Bei Kopfschmerzen ist es zudem wichtig, Akutschmerzmittel nur an maximal zehn Tagen im Monat einzunehmen. Sonst ist die Gefahr groß, dass Kopfschmerzen aufgrund von übermäßigem Schmerzmittelgebrauch entstehen, Mediziner sprechen dann vom sogenannten medikamenteninduzierten Kopfschmerz.

Wer nicht gleich mit Medikamenten gegen die Kopfschmerzen vorgehen will, kann sich erst einmal aktiv den Ursachen wie Schlaf- und Bewegungsmangel sowie muskulärer Anspannung widmen – Veränderungen in diesem Bereich können eine schnelle Antwort auf die Frage sein, was gegen Kopfschmerzen hilft: Achten Sie darauf, dass Sie genügend trinken und arbeiten Sie an Ihrer Körper – beziehungsweise Ihrer Sitzhaltung. Das gilt vor allem, wenn Sie einem Bürojob nachgehen, bei dem Sie überwiegend sitzen. Eine kurze Auszeit und Durchatmen an der frischen Luft können gegen Kopfschmerzen helfen.

Notsignale: Wann Sie mit Kopfschmerzen zum Arzt gehen sollten

Auch die Selbstbehandlung hat ihre Grenzen. Die amerikanische Kopfschmerzgesellschaft (American Headache Society) hat unter dem Kürzel SNOOP, ernst zu nehmende Warnsignale gebündelt, anhand derer Sie erkennen können, wann ein Arztbesuch notwendig ist3.

Bitte gehen Sie in folgenden Fällen umgehend zum Arzt:

  • systemic symptoms (systemische Symptome): Kopfschmerzen mit Begleiterscheinungen wie zum Beispiel Fieber
  • neurologic symptoms (neurologische Symptome): zusätzliches Auftreten von Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen, Verwirrtheit oder dergleichen
  • onset (ohne Vorwarnung): starke Kopfschmerzen, die ganz plötzlich einsetzen und innerhalb kürzester Zeit ihr Schmerzmaximum erreichen
  • older age of onset (höheres Alter beim Beginn): erstmaliges Auftreten heftiger Kopfschmerzen im Alter ab 40 Jahren
  • prior headache history (verändertes Kopfschmerzmuster): aktuelle Schmerzen, die in ihrem Schmerzmuster gravierend von in der Vergangenheit erlebten Kopfschmerzen abweichen (in Bezug auf Intensität, Häufigkeit, neue Symptome)

Alle diese Warnzeichen können auf ernsthafte Erkrankungen hindeuten, wie zum Beispiel auf einen plötzlichen Blutdruckanstieg, eine Hirnhautentzündung oder einen Schlaganfall. Lassen Sie sich daher gründlich von Ihrem behandelnden Arzt durchchecken, um der Ursache der Kopfschmerzen so schnell wie möglich auf den Grund zu gehen und diese zu behandeln.

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1Barmer: Arztreport 2017. Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse. URL: https://www.barmer.de/blob/99196/40985c83a99926e5c12eecae0a50e0ee/data/dl-barmer-arztreport-2017.pdf (04.06.2018)

2Bundesverband der Clusterkopfschmerz-Selbsthilfe-Gruppen (CSG) e.V.: Was ist Clusterkopfschmer? URL: https://www.clusterkopf.de/content/clusterkopfschmerzen/was-ist-clusterkopfschmerz_/index.html (25.05.2018)

3Henke, Christian/ Singer, Oliver: Erfahrungsschatz Neurologie. Wissenswertes zum Weiterflüstern. Stuttgart: Georg Thieme Verlag 2018. S. 200-211.