Migräne-Phasen und ihre Symptome

13. Februar 2020
1 Min.

Dass sich eine Migräneattacke ankündigt, erkennen einige Betroffene bereits Stunden oder Tage zuvor – in der ersten Phase der Migräne. Sie bringt sogenannte Vorboten-, Ankündigungs- oder Hinweissymptome, beispielsweise bleierne Müdigkeit oder erhöhte Reizbarkeit mit sich. Auch, wenn Migräneattacken bei jedem Betroffenen individuell sehr verschieden verlaufen, gibt es neben der Vorbotenphase drei weitere Phasen, die sich wiederum durch eine breite Symptomvielfalt auszeichnen.

Überblick:


Darstellung der Migränephasen

Prodromal- oder Vorbotenphase

Die Prodromalphase (Vorbotenphase) äußert sich bei einem Drittel der Betroffenen.i Die Symptome sind heterogen, sprich uneinheitlich. Sie können sowohl kognitiver (die Wahrnehmung betreffend), psychischer als auch physischer Natur sein. Beispiele sind:

  • Stimmungsschwankungen
  • innere Unruhe
  • Kältegefühl
  • Müdigkeit
  • Gereiztheit
  • Nackenverspannung
  • Geräuschempfindlichkeit
  • blasse Haut, dunkle Augenränder
  • intensives Gähnen
  • Konzentrationsstörungen
  • Verschwommensehen
  • Heißhunger auf bestimmte Nahrungsmittel (etwa auf Fettiges, Süßigkeiten)
Frau mit Heißhunger auf bestimmte Lebensmittel – ein möglicher Vorbote von Migräne.

Viele Betroffene wissen diese Vorboten allerdings nicht richtig zu deuten. Ein Problem bei der Erkennung der Vorbotenphase ist sicherlich der Zeitraum, der zwischen den ersten Vorbotensymptomen und der eigentlichen Kopfschmerzphase liegt. Die Vorbotenphase kann dieser wenige Stunden, aber auch circa zwei Tage vorausgehen.2 Einige der Symptome in der Prodromalphase ähneln stark denen der Aura.

Eine Migräneattacke bahnt sich an – das können Sie tun:

Sofern möglich
  • einen ruhigen und abgedunkelten Raum aufsuchen und ausruhen,
  • öffentliche Verkehrsmittel nutzen, statt sich selbst ans Steuer zu setzen (aufgrund sinkender Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit) und
  • Familienangehörige/Freunde bitten, sich für ein paar Stunden um die Kinder zu kümmern, diese beispielsweise von Kita und Schule abzuholen.

Wenn mit dem Arzt abgesprochen

Auraphase

Bei circa 10 bis 15 Prozent aller Betroffenen liegt eine sogenannte Migräne mit Aura vor.3 In der Auraphase berichten die Patienten von neurologischen, das heißt das Nervensystem betreffende, Reiz- und Ausfallerscheinungen. Die Symptome entwickeln sich über einen Zeitraum von 5 bis 20 Minuten und halten meist maximal 60 Minuten an.4 Typisch sind Symptome wie:

  • Sehstörungen, beispielsweise das Sehen von leuchtenden Funken, Blitzen, Doppelbildern, Zick-Zack-Linien
  • Sprachschwierigkeiten, zum Beispiel was die Wortfindung oder die Sprachproduktion (motorische Aphasie) betrifft
  • einseitige Sensibilitätsstörungen, etwa Kribbelgefühle oder Lähmungen, die häufig Arm und/oder Bereiche des Gesichts betreffen
Nachdem die Aura abgeklungen ist, beginnen die typischen Kopfschmerzen. Nur selten kommt die Aura isoliert vor – und der Migränekopfschmerz bleibt gänzlich aus.

Aha!

Neben der eben beschriebenen “klassischen” (visuellen, sensiblen oder sprachlichen) Migräneaura, gibt es auch die atypische Migräneaura, der beispielsweise die sogenannte Migräne mit Hirnstammaura zugeordnet wird. Hier müssen zur Diagnosestellung zusätzlich zur typischen Migräneaura mindestens zwei Hirnstammsymptome vorliegen, zu denen unter anderem die folgenden gehören:

  • Dreh-, Schwankschwindel
  • Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Bewusstseinsstörung
  • Schwerhörigkeit
  • Störung der Bewegungskoordination

Kopfschmerzphase

Bei circa zwei Dritteln der Patienten treten halbseitige Schmerzen auf, im Bereich von Stirn, Schläfe und Auge.4 Doch sie können auch den ganzen Kopf betreffen und sogar während der Phase die Kopfseite wechseln. Der Kopfschmerz lässt sich in der Regel als pulsierend und oftmals als gut lokalisierbar beschreiben. Er nimmt langsam zu, bis er eine Plateauphase (Symptome gleichbleibend) erreicht und dann wieder nachlässt. Begleitsymptome während dieser Migränephase, wie Übelkeit und Erbrechen, sind ebenso möglich wie Geruchs-, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, was erklärt, warum viele Betroffene das Bedürfnis haben, sich in einem abgedunkelten, ruhigen Raum auszuruhen. Ebenso die Tatsache, dass körperliche Aktivität die Kopfschmerzen generell verstärkt.

Darüber hinaus berichtet etwa ein Viertel der Patienten von sogenannten autonomen Symptomen, wie

  • dem Hervortreten von Blutgefäßen der Bindehaut (konjunktivale Injektion),
  • einem herabsinkenden Oberlid (Ptose),
  • starkem Tränenfluss oder
  • Schwitzen im Gesicht.4

Die Kopfschmerzphase endet oft während des Schlafens.

Phase der Rückbildung

Wenn die Kopfschmerzen abklingen und der Betroffene sich müde und abgespannt fühlt, ist die Phase der Rückbildung, auch Erholungsphase oder postdromale Phase genannt, eingetreten. Ihre Dauer beträgt einige Stunden bis zu zwei Tage, im Durchschnitt sind es 24 Stunden.4 Neben der Müdigkeit gehören katerartige Beschwerden, Benommenheit, gastrointestinale, das heißt den Magen und Darm betreffende Probleme (etwa Appetitlosigkeit) zu den häufigsten Symptomen. Auch Muskelschmerzen können in dieser Migränephase auftreten.

Resümee

Alle vier Migräne-Phasen sind höchst individuell und treten auch nicht bei jedem Patienten auf. Eines ist klar: Sie müssen die Migräneanfälle nicht allein durchstehen. Lassen Sie sich von Experten bei der Behandlung dieser chronischen Kopfschmerzerkrankung helfen.

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Julia Lindert
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Medizinredakteurin
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