Migräne mit Aura: Lichtblitze und Flimmern

Die neugierige Alice folgt einem hektischen, weißen Kaninchen in seinen Bau und landet in einem Raum mit vielen Türen – sie gelangt ins Wunderland. So beginnt die wohl berühmteste Fantasiegeschichte der Weltliteratur. Was die wenigsten wissen: Die kunterbunt entrückte Welt von Alice war auch ein Versuch von Schriftsteller Lewis Caroll, seine Migräneattacken zu verarbeiten. Der Autor litt häufig an Migräne mit Aura. Diese Art von Migräne kann mit Wahrnehmungsstörungen und Halluzinationen einhergehen.

Wie äußert sich die Migräneaura?

Frau leidet an Sehstörungen und vorübergehendem Verlust der Sehfähigkeit aufgrund einer Migräne mit Aura
Bis zu 30 Prozent der Deutschen haben hin und wieder Migräne. Davon leiden wiederum etwa 15 Prozent der Patienten an Migräne mit Aura. Migräne ist dabei vor allem ein Frauenleiden: Generell haben etwa dreimal so viele Frauen Migräne als Männer. Und auch bei Migräne mit Aura ist der weibliche Anteil auffallend hoch.




Die „klassische Migräne“ (mit Aura) ist eine Sonderform der gewöhnlichen Migräne ohne Aura. Zusätzlich zum typischen „Gewitter im Kopf“ treten hier neurologische Störungen als Vorboten auf, die den Symptomen von epileptischen Anfällen ähneln. Sie entwickeln sich innerhalb von fünf bis zehn Minuten und dauern in der Regel bis zu einer Stunde an.

Zu den häufigsten Symptomen bei Migräne mit Aura gehören vor allem visuelle Störungen:

  • Einige Patienten berichten von Lichtblitzen während der Migräneaura.
  • Charakteristisch ist ebenso die Wahrnehmung einer Art Zickzackform, die von der Mitte des Blickfeldes beginnend langsam nach außen wandert.
  • Außerdem sehen viele Betroffene ihre Umgebung nur verschwommen, unscharf oder verzerrt.
  • Gelegentlich verlieren Patienten vorübergehend ihre Sehfähigkeit auf einer Seite des Gesichtsfeldes (Skotom).

Neben diesen visuellen Symptomen können bei Migräne mit Aura Sprachstörungen hinzukommen. Dies äußert sich darin, dass die Migränepatienten plötzlich nicht mehr in der Lage sind, Wörter richtig zu bilden. Einfache Sätze zu formulieren fällt ihnen schwer, sie fangen an zu stottern oder können sich gar nicht mehr verständlich machen.
Antworten Personen während der Auraphase nicht auf Fragen, muss das aber nicht unbedingt an der Sprachstörung liegen. Auch Verständnisprobleme oder eine vorübergehende Schwerhörigkeit kann die Fähigkeit zu kommunizieren einschränken. Gelegentlich sind Koordinationsstörungen, Schwindel sowie Gefühlsstörungen bis hin zu einseitigen Lähmungen mögliche Symptome bei Migräne mit Aura.

Gut zu wissen:

Die neurologischen Aurasymptome treten auf der anderen Körperhälfte auf als die anschließenden Kopfschmerzen, weil Gehirn und Körper überkreuz miteinander verknüpft sind. Das bedeutet: Die linke Gehirnhälfte steuert die rechte Körperseite und umgekehrt.

Diese Symptome kündigen die darauffolgende Kopfschmerzphase an. Bei jedem Migränepatienten verläuft die Aura aber etwas unterschiedlich. Außerdem können sich die Symptome im Laufe des Lebens verändern. Meist hat jeder Patient jedoch eine gewisse Neigung zu bestimmten Aurasymptomen.In seltenen Fällen bleiben Kopfschmerzen nach der Aura aus. Fehlen die charakteristischen Kopfschmerzen, ist es für Ärzte besonders schwierig, die richtige Diagnose zu treffen. Denn die Symptome können theoretisch auch auf weitere Erkrankungen wie Morbus Menière (eine durch Schwindelattacken gekennzeichnete Erkrankung des Innenohrs) oder Fibromyalgie (chronische Erkrankung mit starken Muskelschmerzen) hindeuten.

Migräne mit Aura – was ist die Ursache?

Die genaue Ursache, warum es bei manchen Menschen mit Migräne zu solchen Auraphasen kommt, ist – wie übrigens die Ursachen von Migräne allgemein – bisher nicht ausreichend bekannt. Die Theorie, dass Durchblutungsstörungen im Gehirn eine Rolle spielen, wurde von der Wissenschaft mittlerweile weitgehend verworfen. Neurowissenschaftler vermuten, dass genetisch bedingte Störungen der Nervenfasern auf der Hirnrinde die neurologischen Störungen bewirken.

Bestimmte Reizfaktoren, sogenannte „Trigger“, können Migräneattacken auslösen. Dazu zählen beispielsweise Stress aber auch hormonelle Faktoren. Wer Familienangehörige kennt, die ebenfalls Migräne mit Aura haben, hat ebenfalls ein erhöhtes Risiko Auraattacken zu entwickeln.

Aura oder Schlaganfall?

Da die Symptome (vor allem einseitige Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühl) bei Migräne mit Aura denen bei einem Schlaganfall stark ähneln können, besteht vor allem bei älteren Menschen die Gefahr, beide Krankheitsbilder zu verwechseln. Im Vergleich zu einem Schlaganfall – der eine sofortige ärztliche Behandlung erfordert – verschwinden die Erscheinungen bei einer Aura jedoch ziemlich schnell wieder.Außerdem wurde in Studien festgestellt, dass Menschen, die an Migräne mit Aura leiden, auch ein erhöhtes Risiko haben, einen Schlaganfall zu erleiden. Migränepatienten haben im Durchschnitt etwa doppelt so oft einen Schlaganfall wie normale Menscheni. Die Deutsche Schlaganfall Gesellschaft warnt insbesondere Frauen unter 45 Jahren, die Migräne mit Aura haben, vor erhöhtem Schlaganfallrisiko. Rauchen und die Einnahme der Anti-Baby-Pille können dieses Risiko noch weiter verstärken.

Tipps & Hilfe bei Migräneanfällen

Eine geeignete Methode zur Behandlung von Auren ist bisher noch nicht entwickelt worden. Kündigen sich Auraphasen an, sollten Betroffene sich unverzüglich in eine ruhige Umgebung zurückziehen – am besten in einen abgedunkelten Raum. Falls möglich können Patienten versuchen zu schlafen oder sich einfach etwas Ruhe gönnen, damit die Attacke so schnell wie möglich vorbeigeht.

Des Weiteren können Sie bereits vorbeugend für die angekündigten Kopfschmerzen Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure einnehmen, die bei leichteren Attacken helfen. Die Einnahme von Medikamenten bei Migräne mit Aura sollte jedoch in jedem Fall mit einem Arzt abgesprochen werden. Triptane (Arznei zur Behandlung von Migräne) sollten erst nach Abklingen der Aura und zu Beginn der Kopfschmerzen eingesetzt werden.

Da eine wirksame Behandlung der Aura bisher nicht möglich ist, kommt der Vorbeugung von Migräneattacken eine besondere Rolle zu. Studien konnten belegen, dass diverse Antiepileptika wie Lamotrigin die Häufigkeit von Migräne mit Aura reduzieren können. Außerdem sollten individuelle Auslöser wenn möglich vermieden werden. Dies umfasst beispielsweise das Vermeiden von Stress sowie Alkohol und Nikotin.

Hier weiterlesen: Migränekalender: Führen Sie Tagebuch! >>

Informationen über Triptane >>

Hausmittel bei Migräne >>


i http://www.dsg-info.de/presse/pressemeldungen/265-migraene-mit-aura-erhoeht-das-schlaganfallrisiko.html